Plädieren engagiert für die Vorzüge qualifizierter Weiterbildung: Annica Helmich und Daniel Weichsel vom Zentrum für Mediales Lernen am Karlsruher Institut für Technologie. (c) ZML_Lena Schöneberger

Anzeige

 

Spezifische Qualifikationen sind für Fach- und Führungskräfte obligatorisch. Über das Thema Weiterbildung im Energiebereich sprachen wir mit Daniel Weichsel, Geschäftsführer des Zentrums für Mediales Lernen (ZML) am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), und Annica Helmich, Programmkoordinatorin der Wissenschaftlichen Weiterbildung.

 

Herr Weichsel, das ZML steht für „Innovatives Lernen im digitalen Zeitalter“. Was bieten Sie an? Wer ist Ihre Zielgruppe?

 

Daniel Weichsel: Das Zentrum für Mediales Lernen spricht mit seinen Angeboten unterschiedliche Zielgruppen an. Innerhalb des Karlsruher Instituts für Technologie unterstützen wir Dozenten, die E-Learning-Anteile in ihre Lehre integrieren wollen zum Beispiel mit Workshops und Webinaren. Mit unseren Massive Open Online Courses (MOOCs) und Kontaktstudien wollen wir vor allem Personen außerhalb der Universität erreichen, die sich weiterbilden wollen. Wir setzen dabei auf eine Form, die Onlinelernen integriert: Diese kann mit beruflichen oder privaten Verpflichtungen viel besser in Einklang gebracht werden.

 

Speziell das Thema Energie steht im Fokus Ihrer Angebote? Warum?


Daniel Weichsel: Ein Kerngedanke wissenschaftlicher Weiterbildung ist, dass Universitäten diese in Bereichen entwickeln, in denen sie besonders forschungsstark sind. Das Karlsruher Institut für Technologie hat die Energieexpertise von 1.250 Mitarbeitern im KIT-Zentrum Energie gebündelt und bildet so eines der größten Energieforschungszentren in Europa. Weiterhin werden wir in der Entwicklung unserer Angebote von KIC InnoEnergy unterstützt, ein von der europäischen Union initiiertes, europaweit agierendes Unternehmen für Innovation, Entrepreneurship und Bildung im Bereich der erneuerbaren Energien. Das Ziel, dem wir uns alle verschrieben haben, ist die Umsetzung der Energiewende und die Unabhängigkeit von fossilen Energieträgern.

 

Die ZML-Angebote nutzen oftmals ein Blended Learning-Konzept. Was ist darunter zu verstehen, wo liegen die Vorteile?

 

Annica Helmich: Blended Learning kombiniert die Vorteile von Onlinelernen und Seminaren vor Ort. Das heißt, Teilnehmende lernen größtenteils online auf einer Lernplattform, zum Beispiel mit Studientexten, vertiefenden Videos, Planspielen und Simulationen. Dort finden auch regelmäßige Online-Meetings mit ausgewählten Fachexperten statt. Diese Form des Lernens ermöglicht absolute zeitliche und räumliche Flexibilität. In den Präsenzveranstaltungen wird dann das bisher erworbene Wissen mit Vorträgen und Teamarbeit praktisch vertieft. Die Zeit wird aber auch für Exkursionen genutzt, um das berufliche und persönliche Netzwerk zu erweitern.

 

Was ist, wenn die Nutzung der digitalen Lernplattform Probleme macht?

 

Daniel Weichsel: Die Lernplattform ist so aufgebaut, dass sie sehr intuitiv genutzt werden kann und die enthaltenen Elemente weitgehend selbsterklärend sind. Sollten aber doch Fragen auftauchen, können diese mit den Kurskoordinatoren per Mail oder auch telefonisch geklärt werden.

 

Frau Helmich, Sie koordinieren speziell die Weiterbildung „Energiewirtschaft“. An wen richtet sich der Kurs?

 

Annica Helmich: Unsere Kurse richten sich bewusst an einen breiten Adressatenkreis. Klar, wir haben viele Teilnehmende aus dem Energiebereich und einen großen Anteil an Ingenieuren. Aber auch Quereinsteiger wie Juristen oder Geistes- und Sozialwissenschaftler oder Eltern, die den Kurs für ihren beruflichen Wiedereinstieg nutzen. Energiewirtschaft speziell richtet sich an Personen, die sich für die Zusammenhänge und Wechselwirkungen des deutschen und europäischen Energiemarktes, Energieeffizienz und den technologischen Wandel interessieren. Das können Menschen sein, die beruflich mit der Energieversorgung zu tun haben, ob sie nun Vertreter des Mittelstandes oder von Verbänden oder aus dem politischen Feld kommen.

 

Was erfahren die Teilnehmer? Welchen Benefit bringt der Weiterbildungskurs und wie ist der Ablauf?

 

Annica Helmich: Im Mittelpunkt aller Kurse steht die Fragestellung, wie wir die Energie-Zukunft nachhaltig gestalten können. Dazu gehören genauso technische Themen, wie die Netzsicherheit, die ökologischen Auswirkungen von Windkraftanlagen oder die neuesten Forschungsinnovationen im Bereich Energiespeicher, aber auch gesellschaftliche Fragestellungen wie die zukünftige Elektrizitätsversorgung. Dabei ist uns der hohe Praxisbezug besonders wichtig: Teilnehmende erwerben so Kompetenzen, die sie in ihrer beruflichen Karriere wirklich weiterbringen. Durch unsere Fachexperten, die oft aus dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) mit einem Forschungsschwerpunkt im Bereich Energie stammen, lernen die Teilnehmer auch exklusiv neueste wissenschaftliche Erkenntnisse kennen. Auch ihre individuellen Themenstellungen können sie mit den Experten diskutieren. Bei erfolgreicher Teilnahme erhalten die Absolventen ein anerkanntes Hochschulzertifikat, das 10 ECTS-Punkten entspricht. Die Angebote binden die Teilnehmenden zeitlich nur kurz: Sie erstrecken sich in der Regel über sechs Monate. Nach einem Online-Kick-off zu Beginn wechseln sich Online- und zwei Präsenzphasen ab, wobei die zwei oder dreitägigen Vor-Ort-Veranstaltungen meist in der Mitte und am Ende der Weiterbildung liegen.

 

Das ZML bietet auch den Sprachkurs „Energy English“ an. Was macht diese Weiterbildung so einzigartig?

 


Daniel Weichsel: Die intensive Verflechtung der Erweiterung des Sprachwortsschatzes mit umfangreichen Übungen, um später mühelos präsentieren, verhandeln oder Besprechungen durchführen zu können. Da auch Aspekte der interkulturellen Kommunikation intensiv berücksichtigt werden, führt dies in der Summe zu einem spezialisierten Training für das Energieumfeld. Herkömmliche Sprachkurse können das nicht bieten. Die Teilnehmenden sind danach sehr gezielt auf das Agieren in einem internationalen Umfeld vorbereitet. Bei der Online-Kommunikation werden auch Werkzeuge genutzt, die in der firmeninternen Kommunikation ebenso verwendet werden wie in der externen zwischen Unternehmen - als Nebeneffekt wird somit nicht nur die Fremdsprache, sondern es werden auch moderne Kommunikationsformen eingeübt.

 


Wie wichtig sind Ihrer Meinung nach Weiterbildungen für die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen im Energiebereich?

 


Daniel Weichsel: Sehr wichtig. Selbstverständlich stellen wir uns im „Google-Zeitalter“ manchmal die Frage, ob gekonnte Recherche, das selbstständige Zusammensuchen von Wissen, als wesentliche Schlüsselkompetenz nicht das gemeinsame Lernen ersetzen könnte. Gleichzeitig ermöglichen wissenschaftliche Weiterbildungen aber, sich sehr gezielt in einem überschaubaren Zeitraum ein Wissensgebiet zu erarbeiten. Und sie erlauben auch einen direkten Zugriff auf aktuelle Forschung und einen Blick in die nahe Zukunft. Einen ganz wesentlichen Mehrwert stellt aber auch das Netzwerk zu Dozenten und anderen Teilnehmenden einer Weiterbildung dar, das häufig nach dem Kursende weiterbesteht: eine langfristige und verlässliche Informations- und Austauschquelle von Energieprofis.

 

Vielen Dank für das interessante Gespräch! 

 

Weitere Informationen: www.weiterbildung-energie.de

 


VfW-Termine

Energetische Inspektion von Klimaanlagen

5. - 6.12.2016, Hannover

 



Energiewende für Unternehmer 4-2016
Kleine Heftvorschau:

Das können Sie beispielsweise in der kommenden Print-Ausgabe lesen:

 

Umweltfreundlicher Fuhrpark
Ein effizienter und umweltschonender Fuhrpark ist nicht nur gut für das Firmenimage, sondern kann durchaus ein dicker Pluspunkt bei der Auftragsvergabe sein. Welche Möglichkeiten bietet der Markt? Wie sieht die „grüne Flotte“ aus? Wie kann ein klimaschonender Fuhrpark umgesetzt werden?

 

E-Mobilität
Erklärtes Ziel der Bundesregierung ist es, „Deutschland zum Leitmarkt und Leitanbieter der Elektromobilität zu entwickeln“. Ist der Markt schon reif für E-Fahrzeuge? Was bieten Fahrzeughersteller an und woran forschen sie?

 

Serie: Auf dem Weg zum klimaneutralen Firmengebäude
Teil 3: Fassade und Fenster
Was bringt die energetische Sanierung von Fassade und Fenstern eines Firmengebäudes? Wie sehen ressourcenschonende Gebäudehüllen aus, wieviel lässt sich auf diese Weise sparen?

 

Klimaneutrales Drucken
Was steckt hinter dem Begriff „Klimaneutrales Drucken“? Und wie geht das? Was kann ich als Kunde tun in Sachen „Nachhaltige Medienproduktion“?

 

Energieberatung für Industrie und Gewerbe
Wo liegen die Vorteile professioneller Energieberatung? Mit welchen Einsparungen bei Energie und Kosten können Unternehmen rechnen? Beispiele aus der Praxis.

 

Ökostrom & Unternehmen
Welche Angebote sind am Markt? Auf welche Kriterien müssen Unternehmen achten, die echten Grünstrom beziehen wollen? Gibt es Gütesiegel?

 

Änderungen vorbehalten

 

Das nächste Heft erscheint am 28. November 2016.